Zur quelle, scham:

In meiner persönlichen Entwicklung als Frau und in meinen künstlerischen Anliegen hat sich das Themenfeld des Weiblichen immer mehr zum zentralen Punkt meines Interesses entwickelt. Aus dem Katalog meiner bisherigen Arbeiten läßt sich das auch herauslesen: fem, Mutterkuchen, Landmeter, mujer mexicana, Abbruch, Polnische Küche, Scham, ... Unbewußt oder bewußt -das Einkreisen weiblicher Attribute, die Sicht der Frau auf unsere Welt, das Interesse für meine Grundgegebenheiten und die Außenwirkung weiblicher Existenzen - bestimmen die Pläne meiner künstlerischen Arbeit.

In digitalen Bildkombinationen ist das Heranziehen mehrerer Bedeutungsebenen in ein Bild möglich. Die Technik der Verflechtung von Bildinhalten und Bildeigenschaften zu einem Bildkomplex verfolge ich seit langem. In der Ebene der Bildoperation kann ich meiner Phantasie genügend Lauf lassen, dass ich meine Anliegen in Bilder umzusetzen kann. Die Scham, als ein zentrales Organ biologischer Existenzform hat im öffentlichen Bereich nur in sehr verwinkelten Blickpunkten die Möglichkeit der bildnerischen Darstellung gefunden. Der intuitiv künstlerische Zugang auf Tabus der Gegenwart ist nur in disziplinierter Form möglich, da der gesellschaftliche Anstoß eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk sonst nur schwer möglich macht.

Meine Arbeit "Quelle" ist bewußt einfach gesetzt und sucht aber auch direkt den Blick auf das zu lenken, was häufig Scheu hervorruft oder Angst macht. Der direkte Blick auf die Scham sucht keine Unterstützung durch einen humorvollen Vortrag des Bildinhaltes. Die Einbeziehung sogenannter normaler Menschengesich-ter in das Bildgeschehen verstärkt den Analyseprozess des Bildes noch einmal in Richtung Scham(haftigkeit), mittels einer kreativen Handlung, als gesellschaftlich bedingten, sozialen Empfindens.

Magdalena Frey, 2000